Becher Rubinglas um 1900, fein geschliffener Ranftbecher aus durchgefärbten Goldrubinglas umlaufend facettierte Wandung, auskragender Stand H.: 12 cm, wohl Böhmen. Goldrubinglas ist ein tiefrotes Glas, dessen Farbe durch extrem feine Gold-Nanopartikel im Glas entsteht. Die Herstellung ist technisch anspruchsvoll und wurde historisch besonders in der Kunstglas- und Laborindustrie verwendet. Grundprinzip Die rote Farbe entsteht nicht durch ein normales Farbpigment, sondern durch kolloidales Gold (winzige Goldteilchen im Nanometerbereich). Diese Partikel absorbieren und streuen Licht so, dass das Glas rubinrot erscheint. Der physikalische Effekt dahinter ist die Oberflächenplasmonenresonanz. Rohstoffe Typische Ausgangsstoffe: • Quarzsand (SiO₂) – Hauptbestandteil des Glases • Pottasche oder Soda – Flussmittel • Kalk (CaO) – Stabilisierung • Goldchlorid (AuCl₃) oder andere Goldverbindungen • Reduktionsmittel (z. B. Zinnoxid SnO₂) Goldanteil: meist nur 0,001–0,01 % Herstellungsprozess. Glasschmelze herstellen • Normale Glasrohstoffe werden bei etwa 1400–1500 °C geschmolzen. • Gold wird meist als Goldchlorid-Lösung zugegeben. Homogene Mischung Das Gold löst sich zunächst ionisch im Glas – das Glas ist noch farblos oder leicht gelblich. Formgebung Das Glas wird: • geblasen • gepresst • oder gegossen In diesem Zustand ist es oft noch nicht rot. Tempern (entscheidender Schritt) Beim langsamen Wiedererhitzen auf etwa 500–600 °C passiert: • Goldionen werden reduziert • es entstehen Gold-Nanopartikel (≈20–50 nm) Erst jetzt erscheint die Rubinfarbe. Farbkontrolle Die Farbe hängt stark ab von: • Größe der Goldpartikel Konzentration des Goldes • Temperatur und Dauer des Temperns Mögliche Farben: • hellrot • rubinrot • purpurrot. Historische Entwicklung: Goldrubinglas wurde im 17. Jh. entwickelt. Wichtige Namen: • Johann Kunckel – entwickelte ein reproduzierbares Verfahren • Verwendung z. B. in barocken Glasobjekten und Kirchengeräten. Quellen Internet. Sehr guter Zustand.